18. März 2020

Eine Ausbildung kann sich mehr lohnen als ein Studium

Noch immer wird in Deutschland vielerorts von einem Azubi-Mangel gesprochen. Der Trend, lieber studieren zu gehen, als eine Ausbildung zu absolvieren, hält nach wie vor an. Damit einher geht eine Abwertung von Ausbildungsberufen per se einher. Dabei ist es nicht immer ratsam, zu studieren. Für viele berufliche Tätigkeiten ist eine Ausbildung weitaus sinnvoller, denn ein Studium ist in erster Linie dazu da, die Studierenden zum wissenschaftlichen Arbeit im Rahmen einer spezifischen wissenschaftlichen Disziplin zu befähigen und nicht sie ausschließlich für den Arbeitsmarkt »fit« zu machen. Das wissen auch die Firmenchefs.

Bologna und die Abwertung der Ausbildung

Wenn man sich fragt, wieso immer mehr Menschen lieber studieren als in die Lehre gehen, dann hat dies viel mit dem Bologna-Prozess zu tun. Die Vereinheitlichung und Strukturierung von Studiengängen im Rahmen der 1999 auf den Weg gebrachten Hochschulreformen hat entschieden zu einer massiven Abwertung der Ausbildung beigetragen. Die Studiengänge wurden standardisiert und verschult; was ehedem zu allererst der wissenschaftlichen Bildung diente, hat sich nunmehr in eine etwas anspruchsvollere Vorbereitung auf das Arbeitsleben verkehrt. Anstatt selbst denken zu lernen, sammelt man nun lediglich Wissen, das nach einer Prüfung schnellstmöglich wieder »auskotzt« wird (Bulimie-Lernen). Und man sammelt Punkte. Jede Menge Punkte. Insofern verwundert es nicht, dass Studierende als erstes im Seminar die Frage danach stellen, was sie für wie viele Punkte tun müssen. Ob sie ein entsprechendes Seminar belegen oder nicht, entscheiden sie dann nach dem Effizienzprinzip: Sie gehen in diejenige Veranstaltung, in der sie die meisten Punkte bei geringstem Aufwand erwerben können. Entscheidend ist also weniger das Interesse an einem bestimmten Thema, sondern die bloße Kosten-Nutzen-Rechnung.

Damit einher geht die Suggestion, ein Studium wäre gänzlich berechenbar: Man fängt an, sammelt alle notwendigen Punkte, durchläuft alle vorgeschriebenen Programme, geht schließlich wieder hinaus, findet sofort einen Job und verdient viel Geld. Diese Berechenbarkeitsfiktion hat dazu geführt, dass immer mehr junge Menschen studieren wollten und immer noch wollen. Sie glaubten, nur mit einem Studium eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu haben. Sie glaubten, nur mit einem Studium würden sie viel Geld verdienen können. Schließlich kam alles anders.

Die Inflation der Studierten

Eine Ausbildung zu machen ist keine Schande.

Foto: 123rf.com

Die regelrechte Inflation der Studierten hatte einen Gegeneffekt: Die Ausbildungsberufe wurden massiv abgewertet. Niemand wollte mehr »nur« eine Ausbildung machen. Denn Ausbildungsberufe galten fortan als etwas Niederes. Wer sich als leistungsfähig verstand und Aufstiegsambitionen hegte, wollte selbstverständlich studieren – unabhängig davon, ob es angesichts des faktischen Berufswunsches tatsächlich Sinn machte oder nicht. Da aber nun eine Welle an studierten Menschen auf den Arbeitsmarkt strömte, stiegen auch die Anforderungsprofile der Unternehmen: Für Tätigkeiten, für die ehemals noch eine Ausbildung gereicht hätte, wurde nunmehr ein Studienabschluss verlangt. Im Endeffekt lief also alles darauf hinaus, dass man nun studieren musste, um einen Job auf Ausbildungsniveau zu bekommen.

Dies war und ist insbesondere im Pflegesektor, in der Sozialen Arbeit, in den Sozial-, Geistes- und Kulturwissenschaften sowie im Erziehungsbereich sehr virulent: Viele, die beispielsweise Sozialpädagogik studiert haben, arbeiteten anschließend als gewöhnliche Erzieherinnen und Erzieher. Aber auch SozialwissenschaftlerInnen machen häufig genuine Erziehungsarbeit, anstatt Markt- bzw. Gesellschaftsforschung. Und Philosophen, zumal die promovierten, fahren ja für gewöhnlich gern Taxi. Die Profiteure des Studienbooms waren dagegen all jene, die vor allem BWL oder einen ingenieurswissenschaftlichen Studiengang absolviert hatten – so wollte es eben der Zahn der Zeit, der alles das prämiert, was sich auf dem Markt besonders gut verkaufen lässt.

Der Grund für das Scheitern vieler Studierter auf dem Arbeitsmarkt liegt demnach vor allem darin, dass das Studium in erster Linie auf das wissenschaftliche Arbeiten vorbereiten soll und nicht auf den Arbeitsmarkt. Nicht umsonst sehen die »klassischen« Studiengänge wie Jura, Medizin oder Lehramt eine Referendariats- oder Approbationszeit nach dem Studium vor. Die Ausbildung in der praktischen Berufstätigkeit erfolgt also nach dem Studium, in dem man sich vor allem wissenschaftlich mit verschiedenen Gegenständen auseinandergesetzt hat. Und es gibt wiederum Studiengänge, bei denen es gar keine konkreten Einsatzgebiete auf dem Markt gibt und die insofern vor allem den Zugang zur Forschungswelt oder zum Journalismus eröffnen.

Wer folglich eine konkrete berufliche Tätigkeit ausüben möchte, ist mit einer spezifischen Ausbildung besser beraten. Für manche Berufe, etwa im Informatikbereich, lohnt sich ein Studium oftmals gar nicht, weil man auch mit einer Ausbildung hervorragende Aufstiegschancen und Jobmöglichkeiten vorfindet. Außerdem vermittelt einem eine Ausbildung in diesem Bereich auch weitaus spezifischere berufspraktische Kenntnisse. Ein Studium lohnt sich dagegen vor allem für diejenigen, die in Forschung und Entwicklung Karriere machen möchten. Das wissen auch die meisten Firmenchefs. Deshalb suchen sie mittlerweile zunehmend gezielter nach Personal, das eine Ausbildung in der Tasche hat. Und weil es da einen Mangel gibt, setzen viele sogar auf Recruiter, mit deren Hilfe sie an die geeigneten Fachkräfte zu kommen hoffen – beispielsweise mit einem IT Recruiter von Techminds.

Auch im Erziehungsbereich lohnt sich eine Ausbildung oft mehr als ein Studium. So studieren etwa viele fälschlicherweise Sozialwissenschaften, weil sie glauben, das hätte etwas mit sozialen Berufen zu tun. Tatsächlich ist dies aber überhaupt nicht der Fall, da Sozialwissenschaftler/Innen sich ausschließlich mit gesellschaftlichen Strukturen beschäftigen.

Wer also zu studieren gedenkt, sollte immer erst prüfen, ob das, was er oder sie beruflich anstrebt, tatsächlich ein Studium erfordert oder ob nicht doch eher eine Ausbildung das Richtige wäre. Dies würde sowohl das Leben der Studierenden als auch der Lehrenden erheblich erleichtern.

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