30. April 2015

Ersthelfer-Ausbildung: Kinder können Lebensretter sein

Gummersbach – Am heutigen 24.04.2015 wurden in der Gemeinschaftsgrundschule Körnerstraße kleine Ersthelfer ausgebildet. Mehr als 20 Viertklässler wurden durch die Zusammenarbeit der Grundschule mit dem Klinikum Oberberg für den Ernstfall sensibilisiert. Und nicht nur das – obendrein bekamen sie wertvolles Wissen vermittelt, um – mit der nötigen Courage im Gepäck – im Notfall schnell und zielgerichtet handeln zu können. Selbst Laien können Leben retten, wenn es darauf ankommt und das Schicksal zugeschlagen hat. Dass aus solchen Laien echte Helden werden können, teilte den wissensdurstigen Schülern Frau Dr. Brenner von der Gummersbacher Klinik mit, die den Reanimations-Unterricht für die Kinder leitete: „Nachdem Ihr gestern alles zu den Funktionen des Körpers erfahren habt, werdet Ihr heute zu Lebensrettern ausgebildet!“

Geduldig und interessiert lauschten die Sprösslinge den Schilderungen von Frau Dr. Brenner, die zunächst einmal betonte, dass sie „wütend sei“. Wütend deshalb, weil nur wenige Leute im Alltag dazu bereit sind, in Notsituationen zu helfen. Und das, wo doch über 100.000 Menschen jährlich alleine an den Folgen eines Herzstillstandes versterben. Eine gehörige Portion Angst, eine Fehleinschätzung der Situation oder das fehlende Wissen, wie man lebensrettende Maßnahmen durchführt, liegen der ausbleibenden Hilfeleistung zugrunde. „Jede Sekunde zählt“, betonte Frau Brenner und verwies anschließend darauf, dass man beim Herzstillstand schon nach wenigen Sekunden in Ohnmacht fällt und dass bereits nach 3 bis 5 Minuten erste Gehirnzellen absterben, der Notarzt hingegen erst nach etwa 8 Minuten vor Ort ist.

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Sofortige Wiederbelebungsmaßnahmen können schlimme Folgen abwenden. Studien haben gezeigt, dass auch Kinder erfolgreich eine Herz-Lungen-Wiederbelebung veranlassen können. Und was genau hierbei zu tun ist, das lernten die Kinder im Anschluss. Überaus eifrig beteiligten sie sich und gaben kluge Antworten auf essentielle Fragen. Manch einer hatte sich bereits zuhause bei den Eltern ein wenig schlau gemacht, was die Ärztin der Gummersbacher Klinik besonders freute.

Frau Dr. Brenner und die Schüler erarbeiteten gemeinsam die Vorgehensweise im Notfall. An erster Stelle stand (und steht) die Frage, woran man einen Herzstillstand erkennen kann. „An blasser Haut“ und „bläulicher Verfärbung“ waren hierbei fachkundige Antworten aus Reihen der Schüler. An zweiter Stelle folgt das Ansprechen der scheinbar in Not befindlichen Person. Schließlich könnte es durchaus sein, dass es sich lediglich um jemanden handelt, der tief eingeschlafen ist. Nah am Ohr und laut genug muss die entsprechende Person angesprochen und so geprüft werden, ob es sich tatsächlich um einen Notfall handelt. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, mit den Fingerknochen über das Brustbein zu rubbeln, was im Ernstfall keinen Reflex auslöst. An dritter Stelle steht das Überprüfen der Atmung, nachdem der Kopf leicht nach hinten geneigt wurde, wodurch der Luftweg frei wird. Ist an der Hand des Helfers vor Mund und Nase des Verletzten keine Atmung zu vernehmen, handelt es sich um einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Konsequenz: „Wir müssen nun die Ersatz-Pumpe spielen“, wie Frau Dr. Brenner anmerkte.

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Doch bevor dies passiert, muss ein Notruf abgesetzt werden. Günstigstenfalls kann dies dem Ersthelfer eine andere Person abnehmen, damit dieser direkt mit den Maßnahmen zur Lebensrettung starten kann. Die relevanteste aller Telefonnummern, die 112, war den Kindern bereits in Fleisch und Blut übergegangen – einstimmig gaben sie die drei Ziffern lautstark zum Besten.

Das Wichtigste bei einem solchen Notruf sind die Nennung des Namens, des Unfallortes, der Geschehnisse und auch, ob es sich um ein Kind oder einen Erwachsenen handelt. Auch sollten die bisherigen Erkenntnisse (in diesem Fall: Herzstillstand) mit einfließen und es sollte erst bei entsprechendem Kommando aufgelegt werden.

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Nachdem die Kinder diese wichtigen Infos an die Hand bekommen hatten, durften sie selbst Hand anlegen. Zunächst bekam jeder eine Mini-Übungspuppe („Mini Anne“), im Anschluss durften sich alle abwechselnd an der großen Rettungspuppe versuchen. Die dazugehörige Wiederbelebung (das „Pumpen“) wurde im Rhythmus des Disco-Songs „Stayin’ Alive“ geübt, da hierbei eine Frequenz von 100 Stößen in der Minute erreicht wird. Die Schüler gingen bei der Umsetzung der Anweisungen emsig zu Werke, jeder einzelne wollte den richtigen Dreh rausbekommen. „Das tut ja fast schon weh, ganz schön anstrengend!“, so der Kommentar eines kleinen Lebensretters. „Es ist stets besser, wenn man sich abwechseln kann – auch beim Rettungsdienst wird nach einer Weile abgelöst“, so die Ärztin Frau Dr. Brenner.

Im Zusammenhang mit der Thematik durfte natürlich auch der Defibrillator (AED) nicht fehlen. Auch dieses – in der Handhabung recht einfache – Hilfsmittel wurde gründlich vorgestellt und getestet.

Aus der Theorie wurde an heutigen Tag die Praxis, aus der Praxis wird hoffentlich nie der Ernstfall für die Schüler der Gemeinschaftsgrundschule Körnerstraße werden. Und wenn doch: Gewappnet sind sie bestens.

Text: Carsten Dringelstein
Fotos: Ann-Christin Haselbach

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